Das Brexit-Chaos

Mittlerweile gibt es ein Handelsabkommen. Trotzdem wird 2021 an den Fracht- und Fährhäfen Großbritanniens monatelang Chaos herrschen. Und sollte sich die Abfertigung eines Lastwagens nur um rund zwei Minuten verzögern, wird es insgesamt zu einem rund 50 Kilometer langen Stau führen.

2021 wird an den Fracht- und Fährhäfen Großbritanniens trotzdem über Monate Chaos herrschen.©Pixabay

Güter rollen in Deutschland vorwiegend in Lkws durchs Land. Jeder sechste Kilometer Autobahn ist mittlerweile in schlechtem Zustand. ©Pixabay

Zum 1. Januar 2021 hat Großbritannien die EU-Zollunion verlassen, der das Land 47 Jahre lang angehörte. Es wird dann auch nicht mehr Teil des EU-Binnenmarktes sein. Nach nervenzehrenden Verhandlungen einigten sich die beiden Seiten an Heiligabend endlich auf ein Abkommen.
Der Brexit hat schon jetzt Milliarden verschlungen, wird auch in Zukunft teuer werden und Unternehmen an den Rand ihrer Belastungsgrenze führen. Das lässt sich bereits jetzt ganz konkret beobachten.
Mittlerweile geht sogar die britische Regierung davon aus, dass an den Fracht- und Fährhäfen des Landes über Monate Tohuwabohu herrschen wird. Rund die Hälfte der Lastwagenfahrer, die Güter in die EU transportieren, werde fehlerhafte Papiere haben, räumt inzwischen Vize-Premier und Brexit-Planer Michael Gove ein. Sie sollen dann auf einen der im Bau befindlichen Überlaufparkplätze umgeleitet werden. Der Rest wird sich an den Frachthäfen Kontrollen unterziehen müssen, die es so seit Jahrzehnten nicht mehr gegeben hat.
Was das heißt, hat das Imperial College London durchgerechnet: Sollte sich die Abfertigung der etwa 10.000 Lastwagen, die täglich den Ärmelkanal überqueren, nur um zwei Minuten verzögern, werde das zu einem rund 50 Kilometer langen Stau führen – und mit jeder weiteren Minute kämen 16 weitere Kilometer dazu. Die Regierung selbst rechnet damit, dass sich allein vor Dover Lastwagen auf einer Länge von mehr als hundert Kilometer stauen werden und sich die Fahrt über den Ärmelkanal um bis zu 48 Stunden verzögern wird.
Für verderbliche Ware und lebende Tiere wäre das fatal. Es wird deshalb ein Prioritätensystem geben, für „Fish and Chicks“, wie es flapsig heißt. Alle anderen werden Schlange stehen – und durch den Stillstand Millionen verbrennen.

Chaos erst im Februar voll sichtbar

Etliche Auto- und andere Firmen haben daher angekündigt, den Betrieb in den kommenden Wochen ruhen zu lassen. Das große Chaos an den Grenzen wird deshalb voraussichtlich erst im Februar voll sichtbar werden.
Gleichzeitig ist ein Großteil des Warenverkehrs aus Europa auf die Insel unterbrochen, seit die britische Regierung Ende des Jahres bekanntgab, dass sich im Süden des Landes eine neue Mutation des Coronavirus ausbreite, die „bis zu 70 Prozent ansteckender“ sei als die Ursprungsvariante. Speditionen sagen seitdem reihenweise Touren ins Königreich ab. Die Deutsche Post DHL und andere Paketdienste nehmen wegen der unterbrochenen Verkehrswege keine Paketsendungen nach Großbritannien und Irland mehr an. Vor Ort, etwa in Dover, herrschen „Staus und Chaos, anders kann man es momentan nicht beschreiben“, erklärt Frank Huster vom Deutschen Speditions- und Logistikverband. Wann und wie es für die „leider leidgeprobten“ Fahrer weitergehe, ist offen. „Ich hoffe, dass die offiziellen Stellen vor Ort das berücksichtigen und die Fahrer versorgt werden.“
Staus an den Grenzen, unterbrochene Lieferströme nach Großbritannien: Das ist ein Szenario, vor dem seit dem Brexit viele gewarnt haben. Transportminister Grant Shapps musste inzwischen den ehemaligen Flughafen Manston in der Grafschaft Kent zum Lastwagenparkplatz für die Tausenden Lkw umfunktionieren. „Leidtragende werden am Ende die Kunden der Logistikbranche sein, vor allem die britische Industrie und der Handel“, prognostiziert Huster. Das Brexit-Thema, so der Verbandschef, habe bereits zu einem erwartbaren Engpass geführt. Und nun kommt das Corona-Chaos hinzu.
Bereits seit Wochen verstopfen Container die britischen Häfen, da Firmen ihre Bestände noch vor möglichen Zollkontrollen auffüllen wollen, höhere Preise und langsame Lieferungen sind die Folge. „Auch im Pharmabereich laufen Warenströme von Europa nach Großbritannien und zurück. Hier gibt es besonders hohe Anforderungen an die Logistik, damit die Versorgung mit medizinischen Gütern, darunter Impfstoffen, nicht abreißt“.
Allein durch den Eurotunnel kommen laut Transportminister Shapps etwa 20 Prozent des Warenverkehrs zwischen dem Festland und Großbritannien. Er versichert aber, die derzeit stark gestauten Lieferketten seien kurzfristig „kein besonderes Problem“, sie müssten aber gelöst werden.
Ein Schlupfloch, um derzeit doch nach Großbritannien zu liefern, gibt es noch. Die Abfertigung von Lkw-Aufliegern, die dann in Großbritannien von einem anderen Truck abgeholt werden. Diese so unbegleiteten Transporte sind vorerst in beide Richtungen erlaubt.
Gleichzeitig schießen jetzt die Transportkosten in die Höhe: Teilweise würden für Container 25 Prozent mehr verlangt als eine Woche zuvor, Häfen verlangten zudem Staugebühren. Unternehmen hätten bereits Hunderttausende Pfund verloren. rechnet BRC-Chefin Dickinson aus.

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