Vorausschauende Unternehmen: Vorbereitungen auf das nächste Niedrigwasser

„Sie haben geurteilt, wie es viele seit 2013 vorhergesehen haben – nur drei CSU-Verkehrsminister nicht“, schreibt Werner Balsen, Europa-Korrespondent der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) in Brüssel. Der Fast-Pensionär – noch bis 30. Juni ist er für die DVZ tätig – geht hart mit der jüngst vom Europäischen Gerichtshof einkassierten Pkw-Maut ins Gericht. Genauer gesagt: Mit der „Arroganz“ von Verkehrsminister Andreas Scheuer, der sich seiner Sache so sicher war, „dass er nicht einmal das Urteil abwarten wollte, bevor er milliardenschwere Verträge abschloss“. Balsens abschließendes Fazit: „Andere Minister haben schon bei weniger über Rücktritt nachgedacht.“

Ja, ein vorausschauender Blick kann eigentlich nie schaden – gerade dann, wenn es um logistische Angelegenheiten geht. So muss man auch kein Prophet sein, um zu sagen, dass das nächste Niedrigwasser kommen wird. Vielleicht schon dieses Jahr.

Betrieb zeitweise eingestellt

Der wirtschaftliche Schaden war 2018 riesig, als die niedrigen Pegelstände – insbesondere in Rhein, Elbe und Donau – einen normalen Schiffsgüterverkehr nicht mehr ermöglichten. Über Monate hinweg. Nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) wurde die Nutzung großer und schwerer Schiffe wie Container-Transporter oder Tankschiffe zeitweise sogar gänzlich eingestellt. In jedem Fall konnte nicht mehr vollbeladen gefahren werden. Hierdurch musste auch die Produktion vieler Fabriken gedrosselt werden, die nicht mehr genügend Rohstoffe über den Wasserweg erhalten haben.

Ein normaler Schiffsgüterverkehr war im Sommer 2018 nicht möglich (c) Pixabay

Ein normaler Schiffsgüterverkehr war im Sommer 2018 nicht möglich (c) Pixabay

Die Vorbereitungen auf das nächste Niedrigwasser laufen bereits

Da auch die beschlossene Rheinvertiefung noch bis mindestens 2030 auf sich warten lässt, treffen viele Unternehmen nun eigene Vorbereitungen und arbeiten logistische Konzepte aus, mit denen sich durch Niedrigwasser zustande kommende Engpässe umgehen lassen.

Verlagerung auf die Schiene

Thyssenkrupp zum Beispiel, dessen Hüttenwerk am Flussufer des Rheins steht, hat inzwischen einen Kohlenzug langfristig gemietet, der sicherstellen soll, dass Erze und Kohle aus den Nordseehäfen Rotterdam, Antwerpen und Amsterdam zu den Duisburger Hochöfen gelangen. Man sicherte sich sogar die Option für einen zweiten Zug.

Darüber hinaus soll bei Thyssenkrupp auch die Auswertung von Wetter- und Gewässerdaten optimiert werden, damit man zukünftig in der Lage ist, Niedrigwasserphasen möglichst früh zu erkennen.

Schiffe mit geringem Tiefgang

Es sind relativ kurzfristige Lösungen. Langfristig plane man aber vor allem mit Schiffen, die einen sehr geringen Tiefgang haben sowie mit einer Erhöhung der Lagerkapazitäten.

Ähnlich denkt auch Covestro. Der Chemiekonzern will zukünftig ebenfalls verstärkt auf Flachbodenschiffe setzen.

Weg von der Abhängigkeit vom Schiff

Der Mineralölkonzern BP fokussiert sich derweil ganz auf die Schiene und baut im Stadthafen Gelsenkirchens eine neue Abfüllanlage für Kesselwagen. Man plane mit 40 Zügen, die wöchentlich Kerosin, Benzin und Diesel nach Nord- und Süddeutschland schaffen sollen, wie der Focus berichtet. Von der Abhängigkeit vom Schiff will man sich gänzlich lossagen.

Wie man an diesen Beispielen sieht, erweist sich das Niedrigwasser regelrecht als Katalysator der zurzeit viel diskutierten Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Ironischerweise.

Staustufen im Rhein

Auch der BDB selbst hat seine Pläne, auch wenn sich diese – vergleichbar mit der Rheinvertiefung – nicht so schnell umsetzen lassen. Sofern sich ein Trend zu regelmäßigen Niedrigwasserphasen bestätigen sollte, zieht der Bundesverband den Bau von sogenannten Staustufen in Betracht. Diese Stufen verhindern, dass das Wasser zu schnell abfließt.

Auch in Österreich laufen die Planungen

Aber nicht nur in Deutschland machen sich Unternehmen Gedanken, wie man unabhängig von den Pegelständen eine reibungslose Logistik gewährleisten kann. Denn auch in Österreich kam es im vergangen Jahr zu vielen Engpässen aufgrund des Niedrigwassers. Hier ist vor allem die Donau eminent wichtig für das Transportgewerbe. Und das machte sich bemerkbar. „Ein geringeres Transportaufkommen wurde zuletzt vor 25 Jahren beobachtet“, konstatierte die „Bundesanstalt Statistik Österreich“ in ihrem im März dieses Jahres veröffentlichten Resümee für 2018. Um rund ein Viertel ging hier die Transportleistung zurück.

„Scheuersicher“

Und noch mal kurz was zu Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer … In Schweden gibt es das Kunstprojekt „Eternal Employment“. Hierfür suchen die Künstler Jakob Goldin und Simon Senneby ab 2025 eine Person, die sich auf Lebenszeit für das Nichtstun bezahlen lassen möchte. Unbefristete Anstellung, fester Lohn sowie Urlaubs- und Rentenanspruch inklusive. Einzige Bedingung: Man muss sich morgens und abends an einem Schalter am Göteborger Hauptbahnhof an- und abmelden. Eine hierfür gegründete Stiftung stellt sicher, dass das Monatsgehalt von 2.046 Euro bis zu 120 Jahre ausgezahlt werden kann. Das ist doch mal ein Job, den wirklich niemand versemmeln kann! Obwohl …

Wir von der HDS International Group verfolgen mit Spannung alle Trends und Entwicklungen in der Logistik – und beraten Sie gern bei der Kostenoptimierung und Planung Ihrer Transporte. Auch bei Standortanalysen sowie bei Fragen zur Verlagerung Ihrer Transporte auf die Schiene helfen wir Ihnen mit unserer langjährigen Expertise gern weiter. Stets vorausschauend, versteht sich.

Über uns

Die HDS International Group verbessert seit über 14 Jahren die logistischen Prozesse ihrer Kunden, senkt Transportkosten und Emissionen. Über 1.000 Projekte haben wir erfolgreich begleitet. Wir verhandeln jährlich mehr als eine Milliarde Euro Frachtaufkommen und sind in den Bereichen der Rechnungsprüfung und Transparenzschaffung Marktführer in Europa. Über 100 mehrsprachige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit langjähriger logistischer Expertise bilden unser Kapital.