Schifffahrt: BER ist nicht gleich BER

Manchmal führen Abkürzungen von Worten in die Irre. Insbesondere dann, wenn es mehrere mögliche Erklärungen gibt. Für „KEP“ zum Beispiel existieren gleich zahlreiche. Das Kürzel bedeutet nicht nur „Kurier-Express-Paket-Dienst“, sondern unter anderem auch „Konferenz Europäischer Pfarrvereine“.

Eine Schlagzeile wie „KEP boomt höllenmäßig“ kann man da schon mal falsch deuten, gerade dann, wenn man nicht in der Logistikbranche zuhause ist. Und entsprechende Pfarrvereine würden sich ob des Adjektivs wohl auf den Schlips, pardon Kollar, getreten fühlen.

Eine weitere Abkürzung, die zu Irritationen führen kann, ist „BER“. Gerade aus deutscher Sicht. Eine Buchstabenabfolge, die sicher noch für Jahrzehnte mit dem katastrophal geplanten Flughafen Berlin Brandenburg im Zusammenhang stehen wird. Das Teil ist bekanntlich immer noch nicht fertig, auch nicht sieben Jahre nach der ursprünglich anvisierten Eröffnung – und die eingangs auf zwei Milliarden Euro geschätzten Baukosten liegen mittlerweile bei knapp 7,3 Milliarden Euro.

Und wenn man aktuell liest, dass die EU-Kommission über die Zukunft der BER berät, ist die Verwirrung noch größer. Selbst bei Logistikkennern. Auch wenn der Artikel „der“ in diesem Zusammenhang stutzig macht, fragt man sich zunächst, warum die Zukunft dieses Flughafens jetzt auf einmal in den Händen der EU liegen soll.

Ein englischer Terminus sorgt für Verwirrung

„BER“ bedeutet in diesem Zusammenhang aber „Block Exemption Regulation“. Es geht um die Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung, so der deutsche Begriff, für die Linienschifffahrt. Dieser Begriff wird übrigens „AGVO“ abgekürzt – und das exklusiv, Verwechslung ausgeschlossen.
Erfüllt ein Schifffahrtskonsortium die Konditionen, darf es sich über zahlreiche Beihilfen freuen.

22 von 27 Konsortien bekommen keine Beihilfen

Nach einer Studie des Internationalen Transportforums (ITF) jedoch erfüllen von den 27 identifizierten Konsortien – mit Schifffahrtsrouten von und nach Europa – lediglich fünf die erforderlichen Kriterien. Dass die Autoren der Studie auf 27 Konsortien kommen, liegt übrigens daran, dass auch Allianzen und einzelne Betreiber als Konsortien gezählt werden. Neben den drei großen Konsortien in der Containerschifffahrt – 2M, Ocean Alliance und The Alliance – werden daher auch etwa Turkon/NileDutch oder ICL dazugerechnet.

Die Unternehmensgruppe Maersk ist Teil des Konsortiums 2M, zu dem auch MSC, Hamburg Süd und Hyundai M. M. gehören (c) Pixabay

Die Unternehmensgruppe Maersk ist Teil des Konsortiums 2M, zu dem auch MSC, Hamburg Süd und Hyundai M. M. gehören (c) Pixabay

Knackpunkt ist insbesondere die Bedingung, dass der gemeinsame Anteil der Allianzmitglieder auf dem Markt, auf dem das beantragende Konsortium tätig ist, nicht mehr als 30 Prozent der insgesamt von den Mitgliedern innerhalb oder außerhalb des Konsortiums beförderten Gütermenge betragen darf.

Keine Gewähr

Eine Einschränkung gibt es jedoch. Die Autoren können – weil sich die Schwelle auf die Güteranteile bezieht und nicht auf die öffentlich zugänglichen Kapazitätsanteile – keine 100-prozentige Gewähr für ihr Resultat geben. Ein Hauch der Unzulänglichkeit umgibt also nicht nur den Flughafen BER, sondern auch die Studie zur Verordnung BER …

Noch bis April 2020 jedenfalls wird die Allgemeine Gruppenfreistellungsverordnung angewandt. Und eine Verlängerung dieser Verordnung liegt jetzt, wie geschrieben, in den Händen der EU-Kommission. Diese prüft, ob die Ausnahmeregeln weiterhin ein sinnvolles Instrument darstellen.

Schon 50 Stellungnahmen

Verbände haben in dieser Zeit die Möglichkeit, Gründe für eine Verlängerung der BER darzulegen. Rund 50 Stellungnahmen sind bisher eingegangen. Wobei Reeder die Verordnung im Durchschnitt goutieren, während Verlader, auch bezugnehmend auf die ITF-Studie, eine Verlängerung unter den aktuellen Konditionen eher ablehnen.

Verlader fürchten vor allem um ihre Unabhängigkeit und eine Zunahme der Unternehmenskonzentration respektive eine weitere Verringerung der Marktteilnehmer. Die Linienschifffahrtsunternehmen, so der Vorwurf, kontrollieren inzwischen viel zu viel – auch nachgelagerte Dienstleistungen. Unabhängige Unternehmen gäbe es dagegen immer weniger.

Die Gemeinsamkeit von BER und BER

In einem Jahr wissen wir mehr – sowohl was die Zukunft der BER als auch die Fertigstellung des BER angeht. Denn auch der Flughafen soll laut der Betreibergesellschaft im nächsten Jahr fertig sein. Ganz bestimmt …

Wir von der HDS International Group verfolgen mit Spannung alle Trends und Entwicklungen in der Logistik – und beraten Sie gern bei der Kostenoptimierung und Planung Ihrer Transporte.

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