Industrie in der Rezession

Die Konjunktur in der deutschen Industrie kühlt sich ab. Diesem Trend kann sich auch die Transport- und Logistikbranche nicht entziehen.

Die Konjunktur in der deutschen Industrie kühlt sich ab © Pixabay

Die Konjunktur in der deutschen Industrie kühlt sich ab © Pixabay

„Die deutsche Industrie befindet sich in einer Rezession, die inzwischen auch auf die unternehmensnahen Dienstleister durchschlägt“, erklärt Claus Michelsen, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Dabei belasten sowohl Handelskonflikte als auch der Brexit die Investitionsbereitschaft der Unternehmen. So seien vor allem die Risiken ausgehend von einer Eskalation des Handelskonflikts hoch, erläutert Michelsen.

Diesem Trend kann sich auch die Transport- und Logistikbranche nicht entziehen. Daher sinken sowohl die Luftfracht- als auch die Seefrachtmengen kontinuierlich. Außerdem schwächt sich die Nachfrage aus China ab.

„Aktuell ist ein deutlicher Rückgang in nahezu allen Branchen zu verzeichnen“, stellt auch Stefan Brucker, Geschäftsführer der Spedition Brucker aus Aalen, fest. „Wegen der reduzierten Volumina senken Wettbewerber die Preise in bestimmten Bereichen. Dies ist bei steigenden Löhnen nicht mehr nachvollziehbar“, zeigte sich Brucker gegenüber der Zeitung trans aktuell über diese Entwicklung besorgt.

Gleichzeitig registrieren auch Trailerhersteller wie das Unternehmen Krone eine abflauende Konjunktur. Im Werk Werlte ist seit dem 1. Juli 2019 Kurzarbeit angeordnet, da die Aufträge abnehmen. Zuvor hatten die Mitarbeiter bereits ihre Überstunden abgebaut. Als Ursache nennt das Unternehmen den Brexit, den Handelsstreit zwischen den USA und China sowie den Einbruch des russischen Gebrauchtfahrzeugmarkts aufgrund hoher Einfuhrzölle. Im Geschäftsjahr 2017/2018 hatte der Trailerhersteller noch einen Rekordumsatz vermeldet.

In Werlte sind derzeit rund 1.400 Mitarbeiter beschäftigt, weltweit arbeiten in der Krone-Gruppe rund 4.900 Beschäftigte.

Auch Wettbewerber Schmitz Cargobull registriert eine Konjunkturabkühlung und einen rückläufigen Auftragseingang. Nach Angaben von Schmitz Cargobull belief sich der gesamte europäische Trailermarkt im Jahr 2018 auf 230.000 zugelassene Fahrzeuge. Für 2019 schätzt Schmitz Cargobull das Marktvolumen auf rund 200.000 Fahrzeuge. Der typischerweise extrem zyklische Markt für Trailer könne auch noch deutlicher abrutschen, prognostiziert das Unternehmen.

Binnennachfrage nach wie vor hoch

Insgesamt sei die Binnennachfrage in Europa allerdings nach wie vor hoch, resümiert Axel Plaß, Präsident des Bundesverbands Spedition und Logistik (DSLV) und geschäftsführender Gesellschafter der Zippel-Group. Daher könnten die Mengenrückgänge im internationalen Handel noch kompensiert werden. Und „es bleibt abzuwarten, ob die Abkühlung tatsächlich länger anhält“, erklärte er gegenüber trans aktuell. Zudem sei der Personalbedarf in der Logistik derzeit nicht rückläufig. Mit Sorge beobachtet Plaß allerdings den zunehmenden Trend zum Protektionismus: „Vor allem in der See- und Luftfracht sind wirtschaftliche Auseinandersetzungen zwischen den Staaten spürbar. Dies führt wiederum zu Zöllen und Einschränkungen des Freihandels.“

Nach einem kurzen Tief im März hätten sich bei der Zippel-Group mit Hauptsitz in Hamburg jedenfalls die Transportvolumina im maritimen Kombinierten Verkehr sowie im Hinterlandverkehr per Lkw wieder auf dem hohen Vorjahresniveau stabilisiert, stellt Plaß fest. Zudem plane die Spedition im Vergleich zu den Vorjahren sogar mit erhöhten Investitionen in den Fuhrpark, insbesondere in Zugmaschinen mit alternativen Antrieben. Und „auch beim Personal stehen die Zeichen eher auf Wachstum“, fasst Plaß die aktuelle Entwicklung zusammen.

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