Freihandelsblock ASEAN auf dem Weg zum Schwergewicht

Die Freihandelszone der „Association of Southeast Asian Nations“ (ASEAN) wächst zu einem der dynamischsten Wirtschaftsräume der Welt zusammen. Mit prognostizierten Wachstumsraten von jährlich fünf Prozent wird die Freihandelszone schon 2030 zur drittgrößten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen.

Freihandelszone AESAN (c) Pixabay

Freihandelszone AESAN (c) Pixabay

Seit mehr als 50 Jahren koordinieren die zehn südostasiatischen ASEAN-Staaten ihre Wirtschaft und ihre Politik. Und was sie da verzahnen, hat Gewicht: Zusammen erwirtschaften Singapur, Indonesien, Malaysia, Thailand sowie die Philippinen, Vietnam, Brunei, Kambodscha, Laos und Myanmar rund acht Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts liegt jedes Jahr bei rund fünf Prozent. Damit kann die ASEAN-Gemeinschaft bis 2022 zur fünftgrößten Volkswirtschaft der Welt heranwachsen und bis 2030 sogar unter die Top 3 aufsteigen.

Mit Singapur hat die Europäische Union jetzt ein umfassendes Freihandelsabkommen unterzeichnet. Nicht nur der Handel mit Waren und Dienstleistungen soll liberalisiert werden, sondern auch die wechselseitigen Kapitalströme – und zwar für alle Arten von „Anleihen, Schuldverschreibungen und Krediten“. Es ist das erste bilaterale Handelsabkommen der Europäischen Union mit einem südostasiatischen Land, „ein Baustein für eine engere Beziehung zwischen Europa und einer der dynamischsten Regionen der Welt“, ist EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker überzeugt.

Modell für ähnliche Vereinbarungen

Das Abkommen könnte als Modell für ähnliche Übereinkünfte mit anderen asiatischen Ländern dienen. Schließlich ist es das erklärte Ziel der EU, ein Handels- und Investitionsabkommen mit der gesamten ASEAN zu schließen. „Singapur ist die Drehscheibe der Wirtschaft in Südostasien, inhaltlich kann das Abkommen als Blaupause dienen“, glaubt Max Steinert, Senior Vice President, bei der britischen Großbank HSBC. Die aktuellen Verhandlungen mit Vietnam zeigten, dass es Grund zu dieser Hoffnung gibt.

Die ASEAN-Freihandelszone zählt mit über 640 Millionen Menschen mehr Einwohner als die EU, mehr als ein Drittel des weltweiten Schiffsverkehrs führt durch die Straße von Malakka und das angrenzende Südchinesische Meer. Die Bevölkerung ist nicht nur sehr jung, sondern auch besonders digitalaffin. Etwa die Hälfte der Menschen ist nicht älter als 29 Jahre. Über 250 Millionen Menschen in der Region nutzen ein Smartphone und in keinem Land der Welt senden die Menschen mehr Textnachrichten als auf den Philippinen.

Branchen wie die Textil-, die Elektronik- und die Kfz-Industrie, aber auch die Verarbeitung von Nahrungsmitteln expandieren in den ASEAN-Staaten. Vor allem Unternehmen, die bisher arbeitsintensive Produktionen in China betrieben haben, etwa im Textilbereich oder in der Produktion von Elektrobauteilen, zieht es bereits seit längerem nach Süd- und Südostasien.

Das Handelsvolumen wächst

Auch deutsche Unternehmen profitieren verstärkt von der positiven Entwicklung. 2018 stiegen die Ausfuhren der Bundesrepublik in die Region um 11,4 Prozent auf 28,2 Milliarden Euro. Zugleich beschleunigt der Handelskrieg zwischen den USA und China 2019 einen seit Jahren anhaltenden Trend: Unternehmen verlagern Teile ihrer Wertschöpfung aus China nach Südostasien.

Diese positiven Szenarien können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die einzelnen ASEAN-Länder sehr unterschiedlich entwickelt sind. Während Singapur mit einem Pro-Kopf-Einkommen von über 61.000 US-Dollar im Jahr einer der reichsten Staaten der Welt ist, liegt der Wert in Myanmar dagegen bei lediglich 1.300 US-Dollar.

Trotzdem treiben die ASEAN-Länder die gemeinsame Integration kontinuierlich voran. Die Zölle sind bereits weitgehend weggefallen. Von einem Staatenverbund, wie ihn die EU darstellt, oder von gar einer Währungsunion ist die ASEAN-Gemeinschaft aber noch weit entfernt. Bisher ist die Kooperation lediglich eine Freihandelszone mit zehn Zollgebieten, in der jedes Mitgliedsland seine eigenen Außenzölle gegenüber Drittstaaten beibehalten hat. Es bestehen jedoch ehrgeizige Pläne, einen gemeinsamen Binnenmarkt wie in der EU zu schaffen.

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