Fahrermangel: Das Damoklesschwert der boomenden KEP-Branche

Reichtum und Macht kann man nicht wirklich genießen, wenn über einem ein Schwert hängt, lediglich befestigt an einem dünnen Pferdehaar …

Diese Erfahrung machte vor rund 2.500 Jahren ein gewisser Damokles, Höfling des Dionysios von Syrakus. Stets beneidete Damokles den Machthaber für dessen prunkvolles Leben. Überall tönte er, wie gut es der Herrscher habe, wie viele Privilegien er genieße. Irgendwann reichte es Dionysios – und er gewährte Damokles die Möglichkeit, für einen Abend an der königlichen Tafel zu sitzen. Mit allen Annehmlichkeiten, die ein Tyrann (so die damalige offizielle Bezeichnung) dieser Tage genoss. Allerdings befestigte Dionysios ein spitzes, scharfes Schwert über seinem Platz, um Damokles zu verdeutlichen, dass Reichtum und Macht immer auch mit Gefahr und Angst einhergehen.

Das „Damoklesschwert“ wird noch heute als Metapher der Gefahr in einer scheinbar komfortablen Situation gebraucht.

Und genau das gilt derzeit für die boomende KEP-Branche, ja für alle logistischen Bereiche, die Fahrpersonal benötigen.

Lieferwagen, Wolken (c) Pixabay - Ausschnitt

Logistik 2018: Optimale Auftragslage versus Fahrermangel (c) Pixabay

Eine gute Nachricht mit großem Aber

Erst vergangene Woche berichteten wir vom Europameistertitel für die deutsche KEP-Branche. Schließlich wurden im vergangenen Jahr 41 Pakete pro Kopf verschickt. Und das Gesamtvolumen – B2B, B2C, C2B und das Endverbrauchergeschäft inkludierend – beträgt hierzulande mittlerweile 3,4 Milliarden Sendungen. Das Versandaufkommen in Deutschland ist damit erneut gewachsen: um sechs Prozent, wie die zugrundeliegende Pitney-Bowes-Studie belegt.

Auch in vielen anderen Ländern steigt das Versandaufkommen, getrieben durch den gleichsam boomenden Online-Handel. Die Pitney-Bowes-Autoren prognostizierten gar ein globales jährliches Aufkommen von 100 Milliarden Paketen ab 2020.

Aber wer soll all diese Pakete termingerecht ausliefern? Denn Fahrermangel herrscht jetzt schon vor.

Hier wirken viele Faktoren: Immer mehr junge Menschen machen Abitur und studieren. Dann ist die Arbeitslosenquote in Deutschland sehr gering. Wir leben des Weiteren in einer Zeit des demografischen Wandels – mit einer rückläufigen Geburtenrate. Dazu sind die beruflichen Aussichten für viele nicht sehr verlockend. Im Allgemeinen gilt: hohe Arbeitsbelastung bei geringen Verdienstmöglichkeiten. Längst müssen sich die Unternehmen um ihre Angestellten bewerben. Das Verhältnis hat sich komplett gewandelt.

Bis 2025 werden 100.000 zusätzliche Zusteller benötigt

Und der Markt boomt weiter. Wie der Paketdienst Hermes schätzt, wird sich die Menge an Paketen bis 2025 sogar fast noch verdoppelt. So benötige die Branche in sieben Jahren rund 100.000 zusätzliche Zusteller. Eine Hermes-Sprecherin mahnt: „Die Nachwuchssorgen (…) werden sich angesichts des starken Wachstums der Branche und der Zukunftsprognosen noch zuspitzen.“

Noch schlimmer trifft es da die Möbellogistik, wie aus einem Bericht der Deutschen Verkehrs-Zeitung (DVZ) hervorgeht. Stützend auf eine Umfrage des Bundesverbands Möbelspedition und Logistik (Amö), sieht derzeit jedes zehnte Unternehmen seine Existenz durch Personalmangel bedroht. Und Dreiviertel der befragten 143 Unternehmen stuft die Personallage immerhin als schwierig ein. Besondere Herausforderung für Möbellogistiker bei der Personalsuche: Die Fahrer müssen unter Zeitdruck nicht nur schwere Waren ausliefern, sondern auch Möbel aufbauen.

Kapitulationsgedanken

Amö-Geschäftsführer Dierk Hochgesang sagte gegenüber der DVZ, dass einige Verteilspediteure inzwischen sogar schon erwägen, „sich aus dem Marktsegment zurückzuziehen“.

Amö-Vizepräsident Martin Ahnefeld will deshalb insbesondere die Berücksichtigung von Kundenwünschen zurückfahren: Abstriche bei der Zustellgeschwindigkeit und weniger handwerkliche Leistungen beim Möbelaufbau. Zudem stellt er die traditionelle Zwei-Fahrer-Besetzung in Lkws in Frage.

Dabei sind schon jetzt – laut einer Studie der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers – ein Drittel der deutschen Kunden mit ihren Paketzustellungen unzufrieden. Ein Fünftel bemängelt konkret eine unpünktliche Lieferung.

Die Lösung

Den Kundenwünschen jetzt noch weniger entsprechen zu wollen, scheint in diesem Kontext daher nicht die richtige Wahl zu sein. Vielmehr gilt es, Leerfahrten zu vermeiden, Routen optimal zu planen und Prozesse effizienter zu gestalten. Dadurch verringern sich nicht nur die Kosten, auch werden die Fahrer durch ein ideales Logistikmanagement entlastet. Unternehmen können ihren Fahrern so mehr Gehalt und Freizeit bieten – und sich dadurch, im Kampf um geeignetes Fahrpersonal, Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Um auf die Damokles-Metapher zurückzukommen: Logistikunternehmen müssen versuchen, das Schwert zu entfernen – und nicht das Schloss abzureißen.

Wir von der HDS International Group verfolgen mit Spannung alle Trends und Entwicklungen in der Logistik – und beraten Sie gern bei der Planung, Optimierung, Umsetzung und Digitalisierung Ihrer Transportprozesse.

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