Der Ölpreis steigt – und Reedereien rufen einen Notfallbunkerzuschlag aus

„Das Erdöl ist eine nutzlose Absonderung der Erde – eine klebrige Flüssigkeit, die stinkt und in keiner Weise verwendet werden kann“, formulierte einst, 1806, die Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg. Ein Satz, der zu den ganz großen Irrtümern der Menschheit gehört. Ohne Erdöl wäre die industrielle Revolution in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht möglich gewesen. Und unser Leben wäre ein gänzlich anderes.

Aber die Zeit des „Erdöls für alle“ ist vorbei. Mal wieder – denn Preisschwankungen sind mit diesem Rohstoff seit jeher eng verbunden. So bewegt sich der Preis seit einem Jahr fast konstant nach oben. Er hat sich seit Juni 2017 um rund 70 Prozent erhöht – und liegt derweil zwischen 75 und 80 US-Dollar pro Barrel.

Gründe dafür gibt es viele: Da wäre zum einen die von der OPEC gemeinsam mit 13 weiteren, nicht im Kartell organisierten Förderländern beschlossene Angebotsverknappung Ende 2016 (um der einst fallenden Ölnotierung entgegenzuwirken). Da wäre zum anderen, ganz aktuell, der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran, der mit 21,8 Milliarden Tonnen über die viertgrößten Ölreserven der Welt verfügt (nach Angaben von BP), und den damit zusammenhängenden Sanktionen. Auch wenn dieser Faktor, da er sich anbahnte, bereits vom Markt eingepreist war.

Viel gewichtiger sind da schon die Auswirkungen des Preisverfalls zwischen den Jahren 2012 und 2016, in denen Förderländer so wenig Geld zur Verfügung hatten, dass sie nicht ausreichend in Förderprojekte und der Erschließung neuer Ölfelder investieren konnten.

Ölpumpe (c) Pixabay - Ausschnitt

Ein Hauch von Edward Hopper: Ölpumpe bei Nacht (c) Pixabay

Einfach weiterreichen …

Rote Zahlen verursachende Entwicklungen, denen nun eine Reederei nach der anderen – u.a. Maersk Line und MSC – mit einem Notfallbunkerzuschlag (Emergency Bunker Surcharge) entgegenwirken will. Oder, besser gesagt, werden die Mehrkosten, trotz bestehender Verträge, an die Kunden einfach weitergereicht. Man habe keine andere Wahl.

Gleichsam verkündeten im Mai auch große Luftfracht-Carrier wie Lufthansa Cargo, ihre Surcharges erhöhen zu müssen.

So besteht nicht nur die Frage, welchen Wert Verträge haben, es war eingangs auch unklar, wie hoch die zusätzlichen Kosten sind. Auch wurde zunächst kein Datum genannt, an dem diese Zusatzgebühren fällig werden. Oder ob davon alle Fahrtgebiete, gleich welcher Distanz, betroffen sind. Dass die Zuschläge je nach Fahrtgebiet zwischen 30 und 60 USD/Teu umfassen und ab 1. Juni, 15. Juni oder 1. Juli 2018 greifen, wurde leider erst im Nachhinein kommuniziert.

Der Ruf nach mehr Transparenz in diesem Zusammenhang wird entsprechend immer lauter. Nach Transparenz im Nachhinein. Denn eigentlich sollten solche Notfallregelungen, die abseits der normalen Volatilität dieses Rohstoffes greifen, schon bei der Aufsetzung eines Vertrages berücksichtigt sein. Und dass Erdöl politisch aufgeladen ist (war und sein wird), sollte eigentlich allen Beteiligten hinlänglich bekannt sein.

Die Lehre daraus

Hier seien die Reeder zukünftig zu mehr Offenheit aufgefordert – und deren Kunden zu einer umfassenderen kritischen Betrachtungsweise bei der Vertragsunterzeichnung.

Übrigens: Der Ölpreis hat in den vergangenen Tagen schon wieder nachgegeben – um ein paar Prozent. Ob die Carrier jetzt auch wieder so schnell reagieren – und für den ausgerufenen Notfall Entwarnung geben? Eher nicht, das glauben wohl nicht mal St. Petersburger Studenten aus dem frühen 19. Jahrhundert …

Gern geben wir Ihnen Handlungsempfehlungen zum neuen Notfallbunkerzuschlag – und schauen mit Ihnen gemeinsam, welche Lösungsansätze für Sie infrage kommen.

Ihr Ansprechpartner im Bereich Seefracht:
Oliver Ehlers
Fon: +49 531 288 75 – 232
Mail: O.Ehlers@hds-consulting.com

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