Amazon forciert seine Pläne in der Logistik – und Jeff Bezos wird immer mehr zu „Citizen Kane“

Verfolgt man zurzeit das Leben und Wirken von Amazon-Chef Jeff Bezos, ist man vielleicht ein wenig an Charles Foster Kane erinnert. An die Hauptfigur aus Orson Welles’ Jahrhundertfilm „Citizen Kane“. Dieser war finanziell und beruflich ebenso auf der Überholspur – und verfügte als Medienmagnat über unglaubliche Reichtümer. Besser gesagt, war er besessen von Besitz. Nur eines hatte er eigentlich nie: Glückseligkeit im Privatleben.

So auch der mit einem Vermögen von 150 Milliarden US-Dollar reichste Mensch der Welt Jeff Bezos. Ganz aktuell liefert sich dieser eine Fehde mit dem Boulevardblatt „National Enquirer“. Die Zeitung hatte zunächst reißerisch über seine Scheidung sowie dann über die Affäre mit der Nachrichtensprecherin Lauren Sánchez berichtet – und versucht, wie Bezos selbst empört twitterte, ihn mit privaten SMS und Nacktfotos zu erpressen. Bezos vermutet dahinter sogar eine Verschwörung. Er wirft dem Blatt vor, ihn im Namen seines Erzfeindes, US-Präsident Donald Trump, unter Druck setzen zu wollen …

Ironisch kommentierte hierzu das US-Magazin „New Yorker“: „Er ist zwar ein gnadenloser Plutokrat, dessen Online-Koloss kleine und große Einzelhändler zerstört hat. Aber auch er verdient eine Privatsphäre.“

Die andere Seite

Wie gesagt, ist das eine Seite aus Bezos’ Leben. Die andere, die rein berufliche, ist stets auf Erfolgs- und Expansionskurs. Und das spürt aktuell auch mal wieder die Logistikbranche. Denn wie neue Analysen aus den USA zeigen, gibt sich der Onlineversandhändler immer weniger damit zufrieden, logistische Leistungen ausschließlich für die eigenen Handelsmengen zu erbringen.

Seattle: In der „Emerald City“ befindet sich die Konzernzentrale Amazons (c) Pixabay

Seattle: In der „Emerald City“ befindet sich die Konzernzentrale Amazons (c) Pixabay

Amazon als 3PL

Nach Einschätzung der US-amerikanischen Marktanalysten von Armstrong & Associates agiere Amazon inzwischen wie ein klassischer 3PL, also wie ein Logistikdienstleister für Dritte. Bei Logistikdienstleistungen im E-Commerce-Handel habe Amazon in Nordamerika bereits einen Anteil von zwölf Prozent erreicht. Das liege insbesondere an den vielen kleinen Händlern, die Amazon als Plattform für ihre Verkäufe nutzen und auf den Service „Fulfillment by Amazon“ (FBA) zurückgreifen.

Zudem gibt es seit kurzem auch den ergänzenden Service „FBA Onsite“ – dieser inkludiert, neben der Fulfillment“-Leistung, auch den Transport zum Endkunden in Lagerhäusern von Dritten.

Amazon als NVOCC

Dass Amazons Bestrebungen in der Logistik immer größer werden, zeigt flankierend hierzu auch eine Analyse des Unternehmens Occean Audit. Nach dieser nutzt Amazon die 2016 erworbene Lizenz „Non-Vessel Operation Common Carrier“ (NVOCC) respektive „Reeder ohne Schiff“ immer häufiger. Im vergangenen Jahr kamen so insgesamt 10.600 Teu zusammen. Tendenz steigend: Occean Audit rechnet für 2019 mit rund 20.000 Teu.

Die nächste Milliardenübernahme?

Die Autoren von Armstrong & Associates gehen mit ihrer Einschätzung da sogar noch einen Schritt weiter. Die US-Amerikaner halten es für möglich, dass Amazon bald auch Logistikdienstleistungen für Kunden aus anderen Branchen als dem E-Commerce anbietet. Damit einhergehend: Die Übernahme eines Logistikanbieters. Als Favorit wird XPO Logistics genannt. Das in Greenwich in Connecticut ansässige Unternehmen zählt zu den zehn größten Logistikern der Welt, kommt auf einen Umsatz von 14,6 Milliarden US-Dollar und verfügt über rund 90.000 Beschäftigte. Der Kauf würde sich auf einen mittleren einstelligen Milliardenbetrag belaufen.

Monetär würde das sicherlich kein großes Problem für Amazon darstellen. Schließlich konnte man sich vor rund zwei Jahren auch die Bio-Supermarkt-Kette „Whole Foods“ leisten – für rund 13,7 Milliarden US-Dollar.

Nur eine Frage der Zeit

Die europäische Logistikbranche betrifft das natürlich erst mal wenig, man sollte Amazon aber spätestens jetzt ganz genau beobachten. Denn wenn Amazon logistisch in USA erfolgreich sein wird, ist es wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis ähnliche Konzepte auch in Europa anvisiert werden.

Quelle: Deutsche Verkehrs-Zeitung

„Rosebud“

Zurück zu Kane. Filmkenner wissen: Die letzten Worte des einsamen Medienmagnaten waren „Rosebud“. Das war der Name seines verloren gegangenen Schlittens aus Kindheitstagen. Und genau dieser Schlitten war das einzige Materielle, was sich Kane mit seinen unendlich erscheinenden finanziellen Mitteln nicht kaufen konnte. Hm, ob es so einen Gegenstand auch in Jeff Bezos’ Leben gibt …?

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